Die Wiege des SC Hansa 11 stand einst in der Caffamacherreihe. Der Spielplatz des zunächst "wilden" Fußball-Vereins war der Holstenplatz (das ist der heutige Karl-Muck-Platz). Lediglich ein paar Pferdefuhrwerke störten hin und wieder den "Spielbetrieb". Nach dem Vorbild der großen Nachbarvereine organisierte man sich aber bald zu einem ordentlichen Sportverein. Dann unterbrach der Erste Weltkrieg die so positiv angelaufene Entwicklung. Es dauerte immerhin bis zum Jahre 1923, ehe man sich von den Nachwirkungen des schrecklichen Krieges erholt hatte.
Die Geschichte der Handball-Abteilung bei Hansa begann allerdings erst 1929, also gut zehn Jahre, nachdem der Handballsport überhaupt erst geboren war. Den Anfang machten dabei die Frauen. Doch diesen ersten Handballerinnen war keine sehr lange Zeit zum Ausüben ihres Sports vergönnt. So wurde 1933 ein neuer Anfang gemacht, als vom benachbarten TV Fichte St.Pauli reger Zulauf kam, denn dieser Arbeitersportverein wurde vom Hitler-Regime aus politischen Gründen verboten. Hansa nutzte die Gunst der Stunde, und es gelang der gleichzeitige Aufbau einer Handball-Jugendabteilung. Zwar gibt es aus dieser Zeit keine großen Meisterschaften zu vermelden, aber man war eben mit dabei.
Unter der Führung des verdienten Hansa-Funktionärs Gustav "Guschi" Liesenberg konnten die Frauen 1941 erstmals eine Klassenmeisterschaft feiern. Doch die Freude verwandelte sich rasch in eine riesengroße Enttäuschung, als danach die meisten Spielerinnen den Verein in Richtung FC St.Pauli verließen. Obendrein ruhte bald darauf der gesamte Spielverkehr zwangsweise, weil sich Hansas Handballabteilung wegen Wehrsportverweigerung (!) auflösen musste. Aber mittlerweile hatte man mitten im Zweiten Weltkrieg ohnehin andere Sorgen, als sich ausgerechnet mit dem Handball zu beschäftigen.
Nach dem Ende des Krieges regte sich beim SC Hansa 11 ab 1947 wieder Leben. Die Handball-Frauen begannen sich unter der Leitung von Irmgard Werner wieder zu finden. Neben dem Großfeld spielte man jetzt auch erstmals in der Halle. Viele Daten aus dieser Zeit sind leider nicht erhalten, zumal die noch so junge Abteilung gegen Ende der fünfziger Jahre wieder auseinanderbrach. Daß der Verein mit der Handballabteilung dann vom Jahre 1961 an einen erneuten Anfang wagen konnte und in der Hamburger Handball-Szene und auch darüber hinaus einige Bedeutung erlangte, ist im Grunde einem einzigen Mann zu verdanken.
Lassen wir dazu Kay Brodersen berichten, der anläßlich des 75jährigen Vereinsjubiläums 1986 in der Festschrift folgendes schrieb: "1961 - das Jahr, in dem unsere Handball-Jugendabteilung mit den ersten weiblichen Mannschaften gegründet wurde und ein Name der damit fest verbunden ist - Rolf Kampmann. Ihm gelang, was nur wenigen vergönnt ist: Quasi im Alleingang eine weibliche Jugend-Abteilung aufzubauen - und nicht nur das: In unzähligen Meisterschaften, ob in der Halle oder auf dem Feld, konnte er alle Mannschaften in die obersten Spielklassen bringen. Besonders hervorzuheben ist die Hamburger Meisterschaft auf dem Feld 1978 mit der weiblichen D-Jugend, die ein Jahr später auch Hamburger Meister in der Halle wurde, sowie einige Vizemeister-Titel."
Schon zu dieser Zeit des Neubeginns war natürlich seine Frau Hannelore (Lore oder auch Lorchen genannt) mit dabei. Neben den schon erwähnten Meisterschaften bleibt auch die Teilnahme am Kopenhagen-Cup im gleichen Jahr unvergessen. Doch auch sonst war man unter Rolfs Regie ausserordentlich rege. So kann sich der Chronist aus eigenem Erleben sehr gut und gern an die vielen Osterturniere erinnern, die zu dieser Zeit regelmäßig veranstaltet wurden und viele Gäste aus nah und fern anzogen. Die Hansa-Handballjugend war auch überaus reiselustig und ließ kaum ein wichtiges Turnier aus. In den sechziger Jahren knüpfte Rolf Kampmann auch seine ersten Kontakte zur DDR und fuhr mit seinen Mädchen-Mannschaften öfter mal nach "drüben".
Der 1.November 1969 war ein weiterer Meilenstein im Werdegang des Vereins, denn von diesem Tage an spielten nämlich auch Männer beim SC Hansa 11 Handball. Lassen wir dazu wieder Kay Brodersen zu Wort kommen: "Ab 1969 tauchten dann auch wieder männliche Namen als Spieler auf. Dieter Ballhorn, Uwe Nawatzki, Jürgen Melzer, Peter Bolling, Bernd Pellnat und Helmut Weber gründeten gemeinsam eine Herrenmannschaft. Von diesen sechs 'Anfangshandballern' sprangen nach kurzer Aktivität fünf wieder ab. Nur Helmut 'Omma' Weber blieb uns bis zum heutigen Tage treu. Er bastelte während all der seither vergangenen Jahre geduldig und mit reichlichen Nackenschlägen an der Zukunft der männlichen Handballabteilung. Die Herren wurden von Jahr zu Jahr erfolgreicher."
Der Zusammenschluss mit dem Fußballverein SC Hansa 10 erfolgte im Jahre 1972 - daher der heutige Name: SC Hansa 10/11. Lasst uns ein letztes mal Kay Brodersen aus der Jubiläums-Festschrift vom Jahre 1986 zitieren: "Angespornt durch die vielen Erfolge innerhalb der weiblichen Jugend entstanden jetzt auch männliche A-, B- und C-Jugend-Mannschaften. Einige Zeit später, im Jahre 1979, stieg auch ich, frischgebackener Absolvent des Trainerlehrgangs, in die Jugendarbeit des SC Hansa 10/11 ein. Ausserdem übernahmen noch viele andere Spielerinnen und Spieler die erforderlichen Aufgaben als Trainer bzw. als Betreuer. Dazu gehörten unter anderem Monika Salein, Christina "Gurke" Rothenberger, Olaf Stöppler, Detlef "Linse" Jeglinsky, Joachim Gompf, Christian Stock und Sabine Czarny. Bei der weiblichen Jugend wechselte nur der Vorname des Betreuers. Hannelore Kampmann, die sich jahrelang fördernd im Hintergrund betätigte, entlastete ihren Rolf, indem sie sich verstärkt um die Jüngsten kümmerte."
Einen letzten Höhepunkt hatte Hansa dann kurz vor dem Jubiläum im Jahre 1984 zu vermelden. Die 1.Damen-Mannschaft stieg in die 2.Hamburger Liga (damals noch Division genannt) auf. Mit Ende der achtziger zog sich Rolf Kampmann mehr und mehr vom Handball zurück und übernahm schließlich als 1.Vorsitzender die Leitung des Gesamtvereins. In seiner Nachfolge teilten sich Kay Brodersen und Helmut Weber bis 1996 die Aufgaben in der Handballabteilung.
Aber wie in vielen anderen Vereinen auch, waren seit Mitte der achtziger und dann verstärkt in den neunziger Jahren immer weniger Jugendliche für den Handballsport zu begeistern, was innerhalb der Erwachsenenmannschaften bald eine gewisse Überalterung zur Folge hatte. Und konnte man tatsächlich in den eigenen Reihen einmal ein überdurchschnittliches Talent heranreifen sehen, war es meist nicht zu halten und suchte sich einen höherklassig spielenden Verein.
Dieser allgemein sichtbare Trend war dann auch der Grund für die ersten Kontaktgespräche zwischen dem SC Hansa 10/11 und dem Nachbarverein SC Union 03. Man einigte sich bald darauf, die schwere Zeit mit vereinten Kräften zu überstehen. Nachdem dann auch noch der SV Polizei hinzukam, wurde aus den Handballabteilungen dieser drei Vereine am 1.Mai 1996 die SG Altona.