SV Polizei

(aus der ersten Ausgabe unserer Vereinszeitung, Oktober 1996)

Der SV Polizei, einer der Stammvereine der SG Altona, blickte im Oktober {1996} auf sein 75jähriges Bestehen zurück. Dabei trugen besonders die Handballer dazu bei, den Namen SV Polizei weit über Hamburg hinaus bekannt zu machen.

Das Gründungsjahr des Vereins fiel ungefähr in die Zeit, als sich Handballer aus der Turnbewegung herauslösten und Handball eine eigenständige Sportart wurde. Die eigentlichen "Sternstunden" des Handballs waren die Olympischen Spiele im Jahre 1936 in Berlin und auch die Weltmeisterschaft im Jahre 1938. Bei beiden Anlässen war es die deutsche Nationalmannschaft, die sich mit dem Titel schmücken konnte. In Hamburg gehörten die Männer des SV Polizei ab 1936 der Gauliga an. Die große Stunde des Vereins schlug jedoch 1940, als endlich die Oberalster-Vormachtstellung in Hamburg gebrochen werden konnte.

Von 1940 bis 1942 konnten die Polizei-Handballer dreimal hintereinander den norddeutschen Meistertitel erringen, der in der damaligen Zeit "Gaumeister" genannt wurde. Der erste Meistertitel, alles noch auf Großfeld, wurde 1941 in die Hansestadt geholt. Im Jahre 1943 folgte die zweite deutsche Meisterschaft. Aber die ganz große Zeit des SV Polizei begann erst in den Jahren nach dem Ende des Krieges. Zwischen 1949 und 1958 wurden ohne Unterbrechung zehn Hamburger Titel im Großfeldhandball gewonnen. 1962 und 1968 folgten dann noch zwei weitere Titel. In der Halle konnte die Meisterschaft zwischen 1950 und 1973 elfmal gefeiert werden. Diese Erfolge waren jedoch noch lange nicht alles, denn auch auf norddeutscher Ebene beherrschten die Polizei-Handballer die Szene. Ohne Unterbrechung wurden von 1949 bis 1953 fünf Großfeldhandball- und sechs Hallenhandball-Tiel gewonnen. Ab den sechziger Jahren verdrängte der Hallenhandball dann das Spiel auf dem großen Feld. Bleiben noch die deutschen Titel aufzuzählen, von denen es ebenfalls gleich mehrere gab: Auf dem Großfeld konnten in den Jahren von 1951 bis 1955 vier deutsche Meisterschaften nach Hamburg geholt werden. Auch in der Halle reihten sich zwischen 1950 und 1953 vier Meistertitel aneinander.

Ungefähr zur gleichen Zeit mit diesen Erfolgen war die große Zeit der Polizei-Jugend, vor allem bei den Jungen. Untrennbar verbunden mit dieser Zeit ist der Name des damaligen Jugendleiters und -trainers Hans Bruse, der zwischen 1936 und 1944 selbst repräsentativ für Hamburg und Deutschland spielte.

Der Neuorganisation des Hamburger Handballs nach Kriegsende ist unter anderem mit dem Namen Carl Boysen untrennbar verbunden. Vor dem Krieg auch im Tor der deutschen Nationalmannschaft, gehörte er zu den Männern der ersten Stunde. Vorher schon lange im Vorstand, war Carl Boysen von 1960 bis 1964 erster Vorsitzender des Hamburger Handballverbandes, zudem Spielwart des norddeutschen Verbandes und viele Jahre im DHB-Vorstand.

Vergessen werden soll auch nicht Erich Bade, der zwischen 1924 und 1940 Schiedsrichterobmann des Hamburger Handballverbandes war und dem Schiedsrichterausschuss von 1959 bis 1971 angehörte.

Erinnert sei auch an Walter Puttkammer, in dessen Händen viele Jahre die Betreuung der Liga-Handballer lag.

Der ehemalige Gauliga- und Repräsentativspieler Helmut Torka (Jahrgang 1911) lässt es sich auch heute {1996} noch nicht nehmen, mal beim Handball hereinzuschauen. Zwischen 1960 und 1969 war er Lehrwart unseres Handballverbandes und ausserdem ab 1967 lange Jahre Bundestrainer des Deutschen Handballverbandes.

Wenn der SV Polizei schon vor dem Krieg viele namhafte Spieler hervorgebracht hatte, so setzte sich dies nach Kriegsende fort.

Werner Vick (Jahrgang 1920) gewann mit seinem Club, teils als Spielertrainer, zehn deutsche Meisterschaften, nahm an drei Weltmeisterschaften teil und kam auf insgesamt 37 Einsätze in der Nationalmannschaft. Zwischen 1955 und 1972 war er Bundestrainer des Deutschen Handballverbandes - länger als jeder andere Trainer einer Handball-Ländermannschaft.

Wegen seiner unwahrscheinlichen Wurfkraft wurde er allenthalben "Atom-Otto" genannt: Otto Mayrchzak (Jahrgang 1927). Er brachte es mit dem SV Polizei auf sage und schreibe acht deutsche Meistertitel. In nur 29 Länderspielen warf er 124 Tore und nahm an zwei Weltmeisterschaften teil (1954 und 1958).

Auch sein langjähriger Mannschaftsgefährte Dr. Jürgen Isberg (Jahrgang 1928) holte mit seinem Verein sieben Titel und kam ausserdem auf 27 Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft. Dabei wurde er zweimal Weltmeister. Neben den genannten Handballern brachte der SV Polizei nach dem Krieg noch elf weitere Nationalspieler hervor.

Die Frauen des SV Polizei konnten in diesem Zeitraum vergleichsweise nur sehr bescheidene Erfolge vorweisen. Aber immerhin gehörten sie in den fünfziger und sechziger Jahren zum Hamburger Oberhaus und konnten dort viele Jahre gut mithalten. Ab den siebziger Jahren begann dann mit dem Ausscheiden vieler altgedienter Funktionäre der unaufhaltsame Abstieg des SV Polizei. So bleibt sehr zu hoffen, daß in der SG Altona auch für die Handballerinnen und die Handballer des SV Polizei wieder bessere Zeiten anbrechen.


Egon Reimer