Als der SC Union 03 im Jahre 1993 seinen 90jährigen Geburtstag feierte, konnten sie Handballer schon auf 70 Jahre Handball im Verein zurückblicken. Schon um 1920 begannen die Frauen Handball zu spielen. Zwar gehörten sie in den 30er Jahren der höchsten Hamburger Großfeld-Spielklasse an, aber Erfolge sind aus dieser Zeit nicht bekannt. Das änderte sich nach dem Krieg mit dem Umzug auf die Sportplätze an der Stresemannstraße. 1949 übernahm Georg Meinke die Handball-Jugend. Aus dem Nichts baute er eine weibliche Jugendabteilung auf, schlug sich bis in die A-Jugend durch und wurde 1951/52 erstmals Hamburger Großfeld-Meister. Dann kam der Schock: Das Auseinanderfallen der Mannschaft. Was tun? Georg Meinke vertraute seinen Mädchen und hatte viel Mut. Er holte die gesamte Jugendtruppe der 16- und 17jährigen in die Damen hoch. Otto "Atom-Otto" Maychrzak wurde Trainer. Der Mut wurde belohnt! Man besiegte alles, stieg im ersten Jahr in die Bezirks-, im zweiten in die Stadt-Liga auf. Zitat einer Hamburger Zeitung von 1953: Dieser "Küken"-Sturm ist der beste, den Hamburg hat. Von nun an spielte die Mannschaft in der höchsten Hamburger Spielklasse.
Während auf dem Feld TuS Alstertal 1951 und 1952 sowie SC Urania (heute HG Hamburg-Barmbek) 1953 und 1954 dominierten, begann 1951 die große Zeit des ETV im Hallenhandball: Meister von 1951 bis 1967. Aus dem jungen Union-Team ging Christa Dose-Klüver auch die erste Nationalspielerin hervor.
Während es bei den Frauen gut lief, dümpelten die Männer mit 1. und Reserve in der Klasse vor sich hin. Aber mit Walter Schwarz nahm sich ein Spieler der Männermannschaft der arg zusammengeschrumpften Handball-Mädchen an. Ihm zur Seite ab 1956 dann auch sein Freund Egon Reimer. Sie brachten die weibliche Jugend-Abteilung wieder in Gang und bauten nebenher auch eine männliche Jugend auf. Doch bei den Frauen ging es bergab. Die Küken-Elf war erwachsen geworden. Beruf, Heirat und Mutterpflichten dezimierten das Team. Man stieg ab. Doch mit der neuen weiblichen A-Jugend reifte mit Christa Milter wieder ein großes Talent heran. Ebenso in der weiblichen B-Jugend, die 1957 immerhin 32 Spielerinnen umfasste, mit der kleinen Siegrid Müller. Und als deren Vater Walter Müller 1959 Damen-Betreuer wurde, ging es auch dort wieder aufwärts. 1960 war es endlich geschafft: Unions Handball-Damen wurden in der Halle erstklassig. Und damit das so blieb, wurde mit Wolfgang Lass ein neuer Trainer verpflichtet. Zwischen 1961 und 1967 folgte eine einmalige Serie mit acht Hallen-Vizemeisterschaften - hinter dem ETV. Die Damen gaben nie auf, blieben zusammen, verstärkten sich. Um Christa Milter, Sigrid Müller und die aus der Jugend aufgestiegenen Dörte Klüss (Sass) und Sibylle Tanck wuchs ein schlagkräftiges Team. Schon 1965 spielten mit Karin Sorge und Dagmar Ziebert zwei Nationalspielerinnen der DDR bei Union, die sich bei Länderspielen in den Westen abgesetzt hatten. Beide gehörten später zum DHB-Nationalteam.
Endlich wurde 1965 eine Hamburger Meisterschaft gewonnen - leider "nur" auf dem neu eingeführten Kleinfeld. Dieser Titel blieb bis 1969 bei Union. 1967 und 1968 kamen zwei Norddeutsche Kleinfeld-Titel hinzu. Aber das angestrebte Ziel war und blieb die Ablösung des großen ETV. Und im Februar 1968 war es so weit: Im übervollen "Ritterstübchen", wo heute nicht einmal mehr die Minis spielen, konnten die ETV-Damen endlich entthront werden. Mit viel Glück folgte die Norddeutsche Hallenmeisterschaft. Nach einem 18:4 beim Südwestmeister Vorwärts Frankfurt folgte am 31.März 1968 in Hamburg im Endspiel gegen den 1.FC Nürnberg ein 11:8-Sieg! Union feierte den bis dahin erfolgreichsten Tag in seiner Vereinsgeschichte. Der Europa-Cup fiel jedoch aus. Die Ereignisse des "Prager Frühlings" brachten Union um den verdienten Lohn.
Von 1969 bis 1972 blieben Hamburger und Norddeutsche Titel in Union-Hand. 1972 folgte in Minden die zweite Deutsche Meisterschaft im Endspiel gegen Bayer Leverkusen. Im anschließenden Europa-Cup kam allerdings gegen den späteren Cup-Sieger Radnicki Belgrad das Aus. Es war der Abschied des verdienten Obmanns und Frauen-Betreuers Walter Müller. Bei Einführung der Bundesliga stellte Union den einzigen Hamburger Vertreter. Doch der Erfolg sollte nicht dauerhaft sein. Der Abstieg aus der Bundesliga 1976 läutete den Niedergang ein.
Bis in die 70er Jahre spielten neun Union-Spielerinnen in der Nationalmannschaft. Christa Dose-Klüver, Irene Herchenbach, Dörte Klüss-Sass, Christa Milter, Sigrid Müller und Dagmar Ziebert wurden auch bei Weltmeisterschaften eingesetzt.
Die Leitung der Jugend-Abteilung lag seit 1959 in Egon Reimers Händen, der von 1974 bis 1978 auch Abteilungsleiter war. In der Saison 1972/73 stellte Union mit vierzehn gemeldeten Mannschaften die größte weibliche Jugendabteilung Hamburgs. Gleichzeitig war er auch viele Jahre Mädelwart des Hamburger Handballverbandes. Zwar hatte Union schon 1964 eine Hamburger Meisterschaft der weiblichen A-Jugend gewonnen (mit der späteren Nationalspielerin Dörte Klüss), aber die "Vorherrschaft" auf dem weiblichen Jugendsektor begann 1969 mit dem Gewinn der Kleinfeld-Meisterschaft. Von weiblicher E- über D- und B- bis zur A-Jugend wurden 1979 zwölf Titel gewonnen. Hinzu kamen einige norddeutsche Titel sowie viele zweite und dritte Plätze. Zum Einzug ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der weiblichen B-Jugend fehlte 1979 nur ein einziges Tor. Es war zugleich Egon Reimers Abschied, der aus beruflichen Gründen nur mehr als dreizehn Jahre vollkommen aus der Handball-Szene verschwand.
In dieser erfolgreichen Zeit der Jugend-Abteilung stellte Union in mehreren Altersklassen 25 Spielerinnen für die Hamburger Auswahl ab. Und Conny Wessel war Hamburgs erste Jugend-Nationalspielerin, der ein Jahr darauf auch noch Torhüterin Susanne Wraage folgte. Jahre später machte Ulrike Eydeler (heute Rüter, Bramfelder SV) das Trio komplett.
Nachfolgerin von Egon Reimers als Leiterin der Jugend-Abteilung wurde seine ehemalige Spielerin (1972 auch Deutsche Meisterin) Birgit Valentiner, eine Tochter des späteren SGA-Obmanns Helmuth Valentiner. Doch auch sie konnte nicht verhindern, daß es mit dem Niedergang der Frauen auch um die Jugend ruhig wurde. So fusionierte man mit dem Bramfelder SV, was aber auch wegen der "Geographie" nicht den erhofften Erfolg brachte. Man trennte sich in friedlichem Einvernehmen. Unter Werner Kuhn, dessen Töchter Susanne und Gabi als fünfjährige bei Union begannen, wurde weingstens ein Männer-Team "gerettet". Ein Rest der einstigen Union-Frauen raufte sich zusammen und stieg in zwei aufeinander folgenden Jahren von der fünften in die dritte Liga auf. Während dieser langen Durststrecke leitere Helmuth Valentiner die Handball-Abteilung. Das Amt dürfte in dieser Zeit schwieriger als je zuvor oder auch jetzt in der SG Altona gewesen sein. Dafür - nicht für große Erfolge - wurde ihm auf der diesjährigen {1997} Union-Jahreshauptversammlung die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Trotz aller Bemühungen zeichnete sich ohne Jugend bei Union das Ende der Handball-Abteilung ab. So blieb nur noch der Schritt in eine neue Spielgemeinschaft. War die SG mit dem Bramfelder SV vor allem an der geographischen Lage gescheitert, so sollte mit den Nachbarvereinen Hansa 10/11 und Polizei SV ein besseres Gelingen möglich sein. Verlauf des ersten Jahres spricht sehr dafür.